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Internationaler Friedenspreis Dresden-Preis

9. Februar 2020: Der 11. Internationale Friedenspreis „Dresden-Preis“ geht an die syrische Bildungsaktivistin Muzoon Almellehan

Auszug aus der Pressemitteilung
Flüchtlingskinder ohne Bildung
„Napalm-Girl“ hält Laudatio

Dresden, 5. Dezember 2019

Die syrische Bildungsaktivistin und UNICEF-Sonderbotschafterin Muzoon Almellehan erhält am 9. Februar 2020 in der Dresdner Semperoper den 11. Internationalen Friedenspreis „Dresden-Preis“. Der mit 10.000 € dotierte Preis wird gefördert von der Klaus Tschira Stiftung.

Die heute 21-jährige Muzoon Almellehan, die inzwischen in Großbritannien lebt, gilt als eine der stärksten und einflussreichsten Stimmen im Kampf um Bildung für Kinder in Krisengebieten. Mit ihrem Engagement begann sie bereits mit 14 Jahren in einem jordanischen Flüchtlingslager, wohin sie mit ihrer Familie aus Syrien geflohen war. Für viele der Geflüchteten hatte die Teilnahme an Bildungsangeboten angesichts der Hoffnungslosigkeit im Lager nicht den höchsten Stellenwert. Aber Muzoon ging von Zelt zu Zelt und überzeugte Eltern wie Kinder davon, wie wichtig Schule ist.   Und sie sagte immer wieder diesen Satz: „Wenn du Bildung hast, kann dir das niemand mehr nehmen”.  Vielen  Kindern, vor allem Mädchen, rettete die junge Syrerin so die Zukunft.

 

Nur ein Teil der Flüchtlingskinder weltweit kann wie auf dem Foto in Jordanien eine Schule besuchen. Laut UNICEF haben bis zu 27 Millionen Kinder in Konflikt- und Krisengebieten keinen Zugang zu Bildung. Allein  etwa drei Millionen syrische Kinder – geflohene, aber auch im Kriegsland gebliebene – haben seit Jahren keine Schule mehr besucht. Und so endet langfristig die Krise in den betroffenen Ländern nicht mit der Beendigung der Kriege. Mit Kindern ohne oder mit schlechter Ausbildung verlagert sie sich in die Zukunft. Die Situation ist dramatisch, auch wenn sie noch viel zu wenig von der Öffentlichkeit registriert wird. UNHCR-Sonderbotschafterin Angelina Jolie fordert, dass wohlhabendere Nationen „humanitäre Finanzierungslücken schließen, damit Flüchtlingseltern nicht zwischen Essen und Schule für ihre Kinder wählen müssen“.

Im Februar 2019 wurde Kim Phuc Phan Thi mit dem 10. Internationalen Friedenspreis „Dresden-Preis“ geehrt. Sie war das kleine, von Napalm verbranntes Mädchen, das 1972 nackt und schreiend über eine vietnamesische Straße lief.  Seither ist die heute 56jährige Kim Phuc Phan Thi das „Mädchen auf dem Foto“ oder das „Napalm Girl“.   Heute spricht sie jedes Jahr vor Tausenden Menschen. Und man hört ihr zu.  Wenn ausgerechnet sie, die noch heute an Schmerzen von der damaligen Napalm-Attacke leidet, von Versöhnung spricht, ohne die es keinen Frieden geben kann.  Kim Phuc und Muzoon haben beiden als Kinder den Krieg erlebt. Heute helfen beide anderen von Krieg betroffenen Kinder. „Es ist wunderbar, dass es so junge Menschen wie Muzoon gibt, die sich engagieren“, sagt Kim. Und: „Wir brauchen die Jungen“.

Hoffnung und Chance durch Musik
Szenische Lesung zum Mut der Jungen
Kartenverkauf

Wer in Dresden den Namen des Plattenbaugebietes Prohlis hört, denkt an Hartz IV, Wut und Hoffnungslosigkeit und an AfD. Aber seit zwei Jahren gibt es da auch etwas anderes, das sich ganz anders anhört. In ihrem freiwilligen sozialen Jahr in Peru erfuhren die Dresdner Musikpadägoginnen Deborah Oehler und Luise Börner auf ganz besondere Weise, welche Kraft Musik haben kann. In einem der ärmsten Gebiete halfen sie, ein Jugendorchester aufzubauen .Zurück in Dresden gründeten sie ein ähnliches Projekt in Prohlis. Inzwischen spielen hier 80 Kinder miteinander, deutsche und Flüchtlingskinder. Viele kommen aus Syrien. Und alle haben Spaß an Musik. Bei ihren Auftritten werden die Kinder begeistert gefeiert. Am 9. Februar 2020 bekommen sie den Sonderpreis zum 11. Dresden-Preis und werden in der Oper musizieren.

Wie Muzoon Almellehan gibt es weltweit viele ganz Junge,  die sich auf unterschiedlichsten Gebieten engagieren. Und sie alle tun das, wie es nur die Jugend kann: leidenschaftlich, manchmal zornig und immer unbeirrbar. Und diese jungen Kämpfer gegen Unrecht gibt es schon lange. Manche mussten wegen ihres Engagements sogar ihr Leben lassen. Wie Helmuth Hübener (Foto), der als Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime 1942 mit 17 Jahren auf der Guillotine hingerichtet wurde. Schüler der Dresdner Internationalen Schule werden am 9. Februar 2020 bei der Preisverleihung in einer szenischen Lesung zehn Beispiele von ganz besonders engagierten Kindern und Jugendlichen in Geschichte und Gegenwart vorstellen.

Die Preisverleihung findet am Sonntag, 9. Februar 2020, 16 Uhr statt. Eintrittskarten zum Preis von 5 Euro sind erhältlich beim Besucherdienst der Semperoper, Schinkelwache, Theaterplatz 2, 01067 Dresden, Telefon: 0351 4911 705, bestellung@semperoper.de sowie über www.semperoper.de