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Internationaler Friedenspreis Dresden-Preis

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Der lange Weg eines stillen Helden
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Rede von Tommie Smith
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Auszüge aus der Laudatio von Günter Wallraff
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PRESSESCHAU

Für das Foto tut er es noch einmal: die Augen geschlossen, den Arm nach oben gestreckt, die rechte Hand zur Faust geballt. So wie er es vor fast 50 Jahren tat. Als er als Sieger auf dem Podest der olympischen Spiele in Mexiko stand. Jetzt steht er im Souterrain seines Hauses bei Atlanta vor einem Gemälde, das …

Voll aufrichtiger Demut und hohem Respekt in Anbetracht dieses weitreichenden internationalen Preises stehe ich heute vor Ihnen.

Präsident, geschätztes Kuratorium des 9. Internationalen Friedenspreises: Im ständigen Kampf für Frieden versuchen wir ehrenhaft, die soziale Brücke hin zu dem Ort zu überqueren, an dem Rasse etwas Dezentrales ist. …

….Smith kalkuliert die Gefährlichkeit seiner Aktion nicht wie ein Buchhalter und er misst nicht ab, wie weit er gehen kann, ohne die Rassisten zum Gegenschlag herauszufordern. Er berechnet nicht, wie seine Chancen stehen, ungeschoren aus dieser Demonstration herauszukommen. Er tut einfach das, was ihm notwendig erscheint: Jetzt, in diesem Moment, an diesem Ort und vor aller Augen.

Die Berichte von der Siegerehrung gehen am 16. Oktober 1968 und in den Tagen danach über alle Fernsehkanäle und Radiosender in die ganze Welt. …

Dresdner Neueste Nachrichten

Den Preis stemmt er mit seiner Rechten Richtung Bühnenhimmel. Es wirkt spielerisch. Und es ist ein Spiel, vielleicht. Dann aber eins mit ernstem historischen Hintergrund, weil es an eine frühere Geste angelehnt ist, für die derselbe Mann – nun im Wortsinn Träger des Dresden-Preises – vor fast genau 50 Jahren teuer bezahlt hat: mit dem Ende seiner Sportler-Karriere, die trotz vieler Erfolge noch riesiges Potenzial hatte. Er bezahlte auch mit finanzieller Unsicherheit, einer zerbrochenen Ehe, mehr noch aber mit dem, was man heute mit dem fast lächerlich anmutenden Begriff Shitstorm bezeichnet. ….

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Lyambiko mit beeindruckendem Auftritt
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Hertha-Manager überreichte den Preis
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15 von Vielen
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40 000 sahen Ausstellung

Extra für die Friedenspreisverleihung in der Semperoper hatte Lyambiko gemeinsam mit ihrer Band den Nina-Simone-Song „Why? The King of love is dead“ einstudiert, den sie damit ein allererstes Mal öffentlicht  performte. In die Darbietung von „Four women“ mit der Anfangszeile „My skin is black“ integrierte sie eine Erzählung über eigene Rassismuserfahrungen – eindrucksvoll. Nach fünf Songs wurde Lyambiko mit standing ovations bejubelt.

Am 14. Oktober knieten die Fußballer von Bundesligist Hertha BSC vor dem Spiel gegen FC Schalke 04 nieder auf dem Rasen. Eine Solidaritätsgeste mit den Sportlern der amerikanischen NFL, die auf diese Weise seit Monaten gegen Rassismus demonstrierten. Weltweit honorierten Medien die Geste der Berliner. Und Colin Kaepernick, jener NFL-Spieler, der den Protest in den USA begann, schrieb nach Berlin: Danke!

Paul Keuter, Mitglied der Hertha-Geschäftsleitung, übergab Tommie Smith die Preisskulptur. Er sagte u.a.: „Der Fußball hat in Deutschland eine große gesellschaftliche Verantwortung. Die Strahlkraft der Clubs und der Sportler sollte dazu genutzt werden, auch gesellschaftspolitisch Stellung zu beziehen, Wir bei Hertha BSC werden dies tun. Nicht zuletzt inspiriert durch Menschen wie Tommie Smith und Colin Kaepernick.“

Robert war fünf, als er starb, Trayvon 17 und Kamal 19. Sie sind drei von 15 Rassismusopfern aus Deutschland, den USA, Schweden, Italien, Ungarn, Norwegen, Großbritannien und Russland , über die vier Schüler des Dresdner Marie-Curie-Gymnasiums (Foto) bei der Preisverleihung berichten werden. Zu den 15 gehören auch Jorge Gomondai und Marwa El-Sherbini, die in Dresden getötet worden. Und der 66jährige Kooros Effatian. Er saß in seiner Wohnung in Malmö auf dem Sofa, als er von Schüssen durchs Fenster getötet wurde. Sieben Jahre lang hatte der rassistische Sniper Peter Mang Jagd auf Dunkelhäutige gemacht, schoss in erleuchtete Zimmer, durch Schaufensterscheiben, in Autos.

Ein erstes Mal hatten die Veranstalter des Dresden-Preises im Februar 2017 neben der Preisverleihung auch eine eigene Ausstellung präsentiert. „Lampedusa 361“ zeigt   Fotos der sizilianischen Gräber von Flüchtlingen, die vor den Küsten Italiens ertrunken sind. Gräber, die auch Denkmale des Versagens der Weltpolitik sind.  Nach Dresden im Februar war die Exposition im Juli in Düsseldorf ausgestellt. Bisher sahen sie mehr als 40 000 Besucher. Zur Zeit laufen Gespräche über die Möglichkeit, die Ausstellung in Städten in Italien und den USA zu zeigen.